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Kontaktkorrosion am Dach: Warum man Metalle nicht mischen sollte

Nahaufnahme von Korrosionsschäden an einem Metalldach durch Kontaktkorrosion – grünliche Verfärbungen und Lochfraß an verzinktem Stahl neben Kupferbauteilen



Kupferdachrinne und Stahlblech – klingt erstmal nach einer soliden Kombination. Zwei hochwertige Materialien, beide langlebig, beide bewährt. Und trotzdem kann genau diese Kombination Ihr Dach innerhalb weniger Jahre zerstören.

Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Kunden, die Kupfer mit verzinktem Stahl, Aluminium oder Edelstahl kombinieren möchten. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Man hat eine bestehende Kupferdachrinne und möchte das Dach mit Trapezblech neu eindecken. Oder man plant eine Photovoltaikanlage auf dem Metalldach und macht sich keine Gedanken darüber, aus welchem Material die Montageschienen bestehen. In beiden Fällen kann das teuer werden – und zwar richtig teuer.

In diesem Ratgeber erkläre ich Ihnen, warum Kontaktkorrosion am Dach eines der am häufigsten unterschätzten Probleme im Dachbau ist, welche Materialkombinationen Sie unbedingt vermeiden sollten und wie Sie mit ein paar einfachen Regeln dafür sorgen, dass Ihr Dach Jahrzehnte hält statt Jahre.

1. Was ist Kontaktkorrosion? Das Grundprinzip einfach erklärt

Kontaktkorrosion – in der Fachwelt auch galvanische Korrosion oder bimetallische Korrosion genannt – ist ein elektrochemischer Prozess, der immer dann auftritt, wenn zwei unterschiedliche Metalle in Anwesenheit eines Elektrolyten (in der Praxis: Regenwasser, Tauwasser oder Luftfeuchtigkeit) miteinander in Kontakt kommen.

Das Prinzip dahinter ist im Grunde dasselbe wie bei einer Batterie: Jedes Metall hat ein bestimmtes elektrochemisches Potential – also die Fähigkeit, Elektronen abzugeben oder aufzunehmen. Wenn zwei Metalle mit unterschiedlichem Potential zusammenkommen und Feuchtigkeit als leitende Verbindung dient, entsteht ein Stromfluss. Dabei gibt das „unedlere” Metall (mit dem niedrigeren Potential) seine Ionen ab und wird buchstäblich aufgelöst. Das „edlere” Metall bleibt dagegen unversehrt – es profitiert sogar von dem Prozess.

Stellen Sie sich das so vor: Zwei Metalle treffen sich auf Ihrem Dach. Es regnet. Und plötzlich beginnt das eine Metall, das andere aufzufressen. Nicht sichtbar, nicht hörbar – aber unaufhaltsam. Und je weiter die beiden Metalle in der sogenannten galvanischen Spannungsreihe auseinanderstehen, desto schneller und aggressiver läuft dieser Prozess ab.

Wichtig zu verstehen: Kontaktkorrosion ist kein seltenes Phänomen und kein theoretisches Problem aus dem Chemielabor. Es ist einer der häufigsten Gründe für vorzeitige Dachschäden im Metallbau – und fast immer vermeidbar, wenn man die Grundregeln kennt.

Drei Faktoren müssen zusammenkommen, damit Kontaktkorrosion entsteht:

  1. Zwei unterschiedliche Metalle (z. B. Kupfer und verzinkter Stahl)
  2. Ein Elektrolyt (Regenwasser, Tauwasser, hohe Luftfeuchtigkeit)
  3. Elektrischer Kontakt zwischen den Metallen (direkte Berührung oder leitende Verbindung)

Fehlt einer dieser drei Faktoren, findet keine Kontaktkorrosion statt. Darauf basieren auch alle Schutzmaßnahmen, die wir später besprechen.

2. Die galvanische Spannungsreihe – Ihr wichtigstes Werkzeug

Die galvanische Spannungsreihe ordnet Metalle nach ihrem elektrochemischen Potential. Je weiter zwei Metalle in dieser Reihe auseinanderstehen, desto größer ist die Potentialdifferenz – und desto aggressiver verläuft die Kontaktkorrosion. Das unedlere Metall (weiter unten in der Tabelle) wird dabei immer das Opfer.

Metall Potential (V) Einordnung
Gold +1,50 Sehr edel (Kathode)
Silber +0,80 Edel
Kupfer +0,34 Edel – der „Problemverursacher” am Dach
Blei -0,13 Leicht unedel
Zinn -0,14 Leicht unedel
Nickel -0,23 Unedel
Eisen / Stahl -0,41 Unedel – häufig als Opfer betroffen
Chrom -0,74 Unedel
Zink -0,76 Unedel – Opferschicht auf verzinktem Stahl
Aluminium -1,66 Sehr unedel – besonders gefährdet

Was bedeutet das in der Praxis? Schauen wir uns die Potentialdifferenzen an, die bei typischen Dachkombinationen entstehen:

Kombination Potentialdifferenz Risiko
Kupfer + Aluminium 2,00 V Extrem hoch
Kupfer + Zink (verzinkter Stahl) 1,10 V Sehr hoch
Kupfer + Eisen/Stahl 0,75 V Hoch
Aluminium + Edelstahl ~1,4 V Hoch
Zink + Aluminium 0,90 V Mittel (bedingt zulässig)
Edelstahl + verzinkter Stahl ~0,5 V Mittel (mit Vorsicht)

Die Faustregel lautet: Liegt die Potentialdifferenz über 0,5 Volt, sollten Sie die Kombination vermeiden oder zumindest isolierende Trennlagen verwenden. Über 1,0 Volt wird es kritisch – hier ist mit erheblichen Schäden innerhalb weniger Jahre zu rechnen.

3. Kupfer am Dach: Warum dieses Metall so problematisch ist

Kupfer ist ein wunderbares Material. Es ist langlebig, optisch ansprechend und entwickelt mit der Zeit eine charakteristische grüne Patina, die viele Hausbesitzer schätzen. Kupferdachrinnen und Kupferverkleidungen haben eine Lebensdauer von 50 Jahren und mehr. So weit, so gut.

Das Problem beginnt dort, wo Kupfer auf andere Metalle trifft. Und auf einem Dach trifft es fast zwangsläufig auf andere Metalle: auf die Befestigungsschrauben, auf die Dacheindeckung, auf Schneefangsysteme, auf PV-Montageschienen.

Kupfer steht in der galvanischen Spannungsreihe weit oben – es ist deutlich edler als Zink, Stahl und Aluminium. Das bedeutet: In jeder Kombination mit diesen Metallen ist Kupfer der „Gewinner” und das andere Metall das Opfer. Und Kupfer ist dabei besonders aggressiv.

Typische Problemszenarien mit Kupfer am Dach:

Szenario 1: Kupferdachrinne + Trapezblech aus verzinktem Stahl
Ein Klassiker, den wir immer wieder sehen. Der Kunde hat eine bestehende Kupferdachrinne und möchte das Dach mit Trapezblech neu eindecken. Das Regenwasser fließt vom Trapezblech in die Kupferrinne – und nimmt auf dem Weg Kupferionen mit. Diese Kupferionen lagern sich auf dem verzinkten Stahl ab und beginnen, die Zinkschicht zu zersetzen. Innerhalb weniger Jahre ist die Zinkschicht durchgefressen, und der darunterliegende Stahl beginnt zu rosten.

Szenario 2: Kupferverkleidung + Aluminium-Dachrinne
Noch schlimmer: Kupfer und Aluminium haben eine Potentialdifferenz von satten 2,0 Volt. Das ist der höchste Wert, der in der Praxis am Dach vorkommt. Aluminium wird in dieser Kombination regelrecht aufgelöst – und zwar nicht über Jahrzehnte, sondern über Jahre.

Szenario 3: Kupferdach + Schneefangsystem aus verzinktem Stahl
Schneefanggitter oder Schneefangrohre aus verzinktem Stahl auf einem Kupferdach – das hält nicht lange. Die Zinkschicht wird sich innerhalb weniger Winter auflösen, und dann rostet der Stahl durch.

Unsere klare Empfehlung: Kupfer sollte am Dach ausschließlich mit Kupfer kombiniert werden. Kupferdachrinne → Kupfer-Fallrohr → Kupfer-Rinnenhalter. Wenn Sie ein Kupferdach haben und Anbauteile brauchen, bleiben Sie beim Kupfer. Mischen Sie nicht.

4. Das Ablaufwasser-Problem: Korrosion ohne direkten Kontakt

Und jetzt wird es richtig tückisch. Denn Kontaktkorrosion erfordert nicht zwingend einen direkten Kontakt zwischen den Metallen. Es reicht, wenn Regenwasser über eine Kupferfläche läuft und dann auf ein anderes Metall trifft.

Wie funktioniert das? Regenwasser ist leicht sauer (pH-Wert ca. 5,5 durch gelöstes CO₂). Wenn dieses Wasser über eine Kupferfläche fließt, löst es winzige Mengen Kupferionen heraus. Diese kupferionenhaltigen Wassertropfen fließen weiter – in die Dachrinne, über das Fallrohr, auf die darunterliegende Fassade. Und überall, wo dieses kupferhaltige Wasser auf Zink, Aluminium oder unverzinkten Stahl trifft, beginnt die Korrosion.

Das bedeutet konkret:

  • Eine Kupferdachrinne oberhalb eines Zink-Fallrohrs wird das Fallrohr zerfressen – auch wenn die beiden Teile nicht direkt miteinander verschraubt sind.
  • Ein Kupferdach, dessen Ablaufwasser auf eine darunter liegende Zink-Fassadenverkleidung trifft, wird diese beschädigen.
  • Selbst kleine Kupferbauteile (z. B. ein Kupfer-Lüftungsgitter) können durch ihr Ablaufwasser größere Flächen aus unedleren Metallen schädigen.

Besonders perfide: Dieser Prozess ist anfangs kaum sichtbar. Die ersten Anzeichen – grünliche Verfärbungen auf dem Zink, leichte Rauigkeit der Oberfläche – werden oft übersehen oder als normale Patina fehlinterpretiert. Wenn die Schäden dann sichtbar werden (Lochfraß, Durchrostung), ist es meist zu spät für eine einfache Reparatur.

Merksatz: Bei der Planung eines Daches müssen Sie nicht nur den direkten Kontakt zwischen Metallen beachten, sondern auch die Fließrichtung des Wassers. Edlere Metalle dürfen nie oberhalb von unedleren Metallen in der Wasserablaufrichtung angeordnet werden.

5. Verträglichkeitstabelle: Welche Metalle passen zusammen?

Damit Sie nicht jedes Mal die Spannungsreihe konsultieren müssen, haben wir die wichtigsten Kombinationen in einer übersichtlichen Verträglichkeitstabelle zusammengefasst. Diese Tabelle basiert auf den Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk und den Empfehlungen der Hersteller.

Kombination Direkter Kontakt Ablaufwasser Bewertung
Zink + Zink Ideal
Kupfer + Kupfer Ideal
Aluminium + Aluminium Ideal
Edelstahl + Edelstahl Ideal
Verzinkter Stahl + Zink Unbedenklich
Verzinkter Stahl + Aluminium Unbedenklich
Edelstahl + Verzinkter Stahl Bedingt zulässig (Flächenverhältnis beachten)
Edelstahl + Aluminium Nur mit Trennlage (Industriestandard bei PV)
Kupfer + Verzinkter Stahl Niemals! Massive Korrosion
Kupfer + Aluminium Niemals! Extremste Korrosion
Kupfer + Zink Niemals! Zink wird aufgelöst
Kupfer + Eisen/Stahl Nicht zulässig – Stahl rostet beschleunigt

Die Tabelle zeigt deutlich: Kupfer ist der Einzelgänger unter den Dachmetallen. Es verträgt sich praktisch nur mit sich selbst, mit Blei und mit Edelstahl (wobei auch hier Vorsicht geboten ist). Mit allen anderen gängigen Dachmetallen – verzinktem Stahl, Aluminium, Titanzink – ist Kupfer inkompatibel.

Verzinkter Stahl und Aluminium hingegen vertragen sich gut miteinander und sind auch mit Edelstahl kombinierbar (unter Beachtung der Flächenverhältnisse). Das ist auch der Grund, warum wir bei Trapezblechen aus verzinktem Stahl bedenkenlos Edelstahlschrauben verwenden können – eine kleine Edelstahlfläche (Schraube) auf einer großen verzinkten Fläche (Blech) ist unkritisch.

6. Photovoltaik auf Metalldach: Kontaktkorrosion bei PV-Anlagen

Photovoltaik auf dem Metalldach – das ist grundsätzlich eine hervorragende Kombination. Solarmodule auf Pfannenblech oder PV auf Stehfalzdach sind bewährte Lösungen. Aber auch hier lauert die Kontaktkorrosion, wenn man nicht aufpasst.

PV-Montageschienen bestehen in der Regel aus Aluminium-Strangpressprofilen. Die Klemmen und Schrauben sind meist aus Edelstahl (A2 oder A4). Und die Dachhaken, die das Montagesystem mit dem Dach verbinden, können aus Edelstahl oder verzinktem Stahl bestehen. Hier treffen also potenziell drei verschiedene Metalle aufeinander.

Wo es bei PV-Montage kritisch wird:

PV auf Kupferdach: Das ist die problematischste Kombination überhaupt. Aluminium-Montageschienen auf einem Kupferdach – das ist ein elektrochemisches Desaster. Die Potentialdifferenz von 2,0 Volt sorgt dafür, dass die Alu-Schienen innerhalb weniger Jahre korrodieren. Und selbst wenn die Schienen nicht direkt auf dem Kupfer aufliegen: Das Ablaufwasser vom Kupferdach fließt über die Alu-Schienen und greift sie an.

PV neben Kupfergauben: Auch wenn die Module oberhalb der Kupfergauben montiert werden, kann das Ablaufwasser der Module über die Kupfergauben fließen und dann auf darunterliegende Metallteile treffen. Oder umgekehrt: Kupferionen von den Gauben werden bei Starkregen aufgewirbelt und treffen auf die Alu-Schienen.

PV mit Kupfer-Dachrinne: Wenn die PV-Montageschienen aus Aluminium bis zur Traufe reichen und das Ablaufwasser in eine Kupferdachrinne fließt, ist das für die Schienen kein Problem (das Wasser fließt ja weg vom Alu). Aber wenn bei Starkregen oder Rückstau kupferhaltiges Wasser auf die Alu-Schienen spritzt, kann es lokal zu Korrosion kommen.

Gute Nachricht für Trapezblech-Besitzer: Die Kombination von Trapezblech aus verzinktem Stahl + Aluminium-PV-Schienen + Edelstahl-Schrauben ist der Industriestandard und grundsätzlich unbedenklich. Verzinkter Stahl und Aluminium vertragen sich gut, und die kleinen Edelstahlflächen der Schrauben sind bei dem großen Flächenverhältnis unkritisch. Seriöse Hersteller liefern zudem EPDM-Trennlagen mit, die den direkten Metallkontakt an den kritischen Stellen unterbinden.

Schutzmaßnahmen bei PV-Montage:

  1. EPDM-Trennlagen verwenden: Zwischen Dachhaken und Montageschiene gehört immer eine EPDM-Dichtung (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk). Diese unterbricht den elektrischen Kontakt und verhindert Kontaktkorrosion.
  2. Geprüfte Montagesysteme kaufen: Seriöse Hersteller haben ihre Systeme auf Materialverträglichkeit getestet und liefern alle nötigen Trennlagen mit.
  3. Bei Kupferdächern: Spezialberatung einholen. Hier reichen Standard-Montagesysteme nicht aus. Es gibt spezielle Lösungen mit komplett isolierten Unterkonstruktionen – aber die müssen individuell geplant werden.
  4. Potentialausgleich nicht vergessen: Unabhängig von der Korrosionsproblematik muss bei PV-Anlagen ein fachgerechter Potentialausgleich hergestellt werden – das ist auch aus Blitzschutzgründen vorgeschrieben.

7. Nicht nur Metalle: Holz, Bitumen und Mörtel als Risikofaktoren

Kontaktkorrosion ist nicht auf Metall-Metall-Kombinationen beschränkt. Auch andere Baustoffe können Korrosion an Metallteilen auslösen – ein Aspekt, der bei der Dachplanung oft vergessen wird.

Holz mit hohem Säuregehalt

Bestimmte Holzarten haben einen so hohen Säuregehalt (pH-Wert unter 5), dass ihr Ablaufwasser Zink und andere Metalle angreifen kann. Besonders kritisch sind:

Holzart Säuregehalt
Eiche Besonders hoch
Red Cedar Besonders hoch
Douglasie Hoch
Lärche Hoch
Kastanie Hoch
Zeder Hoch

Wenn Sie beispielsweise eine Holzfassade aus Lärche haben und darunter eine Zink-Dachrinne montiert ist, kann das Ablaufwasser von der Holzfassade die Rinne angreifen. Die Lösung: Entweder eine Kastenrinne aus Edelstahl verwenden oder dafür sorgen, dass das Holz-Ablaufwasser nicht auf die Zinkfläche gelangt.

Bitumen und Dachpappe

Alte Bitumenbahnen, die der UV-Strahlung ausgesetzt sind, bilden durch Oxidation Säuren. Diese sogenannte „Bitumenkorrosion” kann Zink und andere Metalle angreifen. Das ist besonders relevant bei Dachsanierungen, bei denen neues Blech über alte Bitumenbahnen gelegt wird. Hier ist eine saubere Trennung durch eine Unterspannbahn oder Trennlage unerlässlich.

Mörtel und Gips

Gips (Calciumsulfat) greift in Verbindung mit Feuchtigkeit Zink stark an. Schäden entstehen oft schon während der Bauphase, wenn Mörtelspritzer auf Zinkflächen gelangen und nicht rechtzeitig entfernt werden. Auch Streusalz im bodennahen Bereich ist ein Risikofaktor für Zink-Dachrinnen und -Fallrohre.

8. Schrauben und Befestigungsmittel: Die oft vergessene Schwachstelle

Bei der Materialwahl für die Dacheindeckung und die Rinne denken die meisten Bauherren an Korrosion. Bei den Schrauben und Befestigungsmitteln hört das Bewusstsein dann oft auf. Dabei sind gerade die Verbindungsmittel eine kritische Stelle.

Die goldene Regel lautet: Verbindungsmittel müssen immer aus einem edleren oder gleichwertigen Material bestehen als das zu befestigende Blech. Der Grund ist einfach: Eine kleine Schraube in einem großen Blech – wenn die Schraube das unedlere Material wäre, würde sie sich als kleines Opfer einer großen Kathode besonders schnell auflösen. Das Flächenverhältnis verstärkt den Effekt dramatisch.

Deshalb verwenden wir bei Trapezblech Verschraubungen grundsätzlich Edelstahlschrauben oder zumindest hochwertig beschichtete Schrauben. Edelstahl ist edler als verzinkter Stahl – die kleine Edelstahlfläche der Schraube in der großen verzinkten Fläche des Blechs ist unkritisch. Umgekehrt wäre es fatal: Eine verzinkte Schraube in einem Edelstahlblech würde sich innerhalb weniger Monate auflösen.

Dacheindeckung Empfohlene Schrauben Hinweis
Verzinktes Trapezblech Edelstahl A2 oder bi-metallisch Standard, unbedenklich
Aluminium-Trapezblech Edelstahl A2 mit EPDM-Dichtung Trennlage empfohlen
Edelstahl-Blech Edelstahl A4 Gleiches Material ideal
Kupferblech Kupfer oder Kupfer-vernickelt Keine Stahlschrauben!
Stehfalzblech (Zink) Edelstahl A2 Edlere Schraube = richtig

Achten Sie auch auf Rinnenhalter, Schneefanghalter und sonstige Anbauteile. Auch hier gilt: Das Material muss zum Rest des Systems passen. Ein verzinkter Rinnenhalter an einer Kupferrinne wird nicht lange halten. In unserem Zubehör-Sortiment finden Sie aufeinander abgestimmte Komponenten für Ihr Dachsystem.

9. So vermeiden Sie Korrosionsschäden – 7 Praxistipps

Die gute Nachricht: Kontaktkorrosion ist fast immer vermeidbar. Wenn Sie die folgenden sieben Regeln beachten, sind Sie auf der sicheren Seite.

Tipp 1: Materialtreue als oberste Regel
Verwenden Sie nach Möglichkeit durchgängig dasselbe Material für alle Komponenten eines Systems. Kupferdach → Kupferrinne → Kupfer-Fallrohr → Kupfer-Rinnenhalter. Trapezblech aus verzinktem Stahl → verzinkte Rinne → verzinktes Fallrohr. Das ist die einfachste und sicherste Lösung.

Tipp 2: Fließrichtung des Wassers beachten
Wenn Sie verschiedene Metalle verwenden müssen, achten Sie darauf, dass das edlere Metall unterhalb des unedleren in der Wasserablaufrichtung liegt. Nie umgekehrt. Das Ablaufwasser des edleren Metalls darf nicht auf das unedlere treffen.

Tipp 3: Trennlagen verwenden
Wo verschiedene Metalle direkt aufeinandertreffen, gehört eine isolierende Trennlage dazwischen. EPDM-Dichtungen, Kunststoff-Unterlegscheiben oder spezielle Isolierbänder unterbrechen den elektrischen Kontakt und verhindern den Stromfluss.

Tipp 4: Schrauben edler als das Blech wählen
Befestigungsmittel immer aus einem edleren Material als das zu befestigende Blech. Edelstahlschrauben für verzinktes Blech – passende Schrauben finden Sie in unserer Befestigungskategorie – das ist der Standard und das ist richtig so.

Tipp 5: Flächenverhältnis beachten
Eine kleine edle Fläche (z. B. Edelstahlschraube) auf einer großen unedlen Fläche (z. B. verzinktes Blech) ist unkritisch. Umgekehrt – eine große edle Fläche neben einer kleinen unedlen – ist gefährlich. Denken Sie daran, wenn Sie Anbauteile planen.

Tipp 6: Regelmäßige Inspektion
Kontrollieren Sie Ihr Dach mindestens einmal jährlich auf Anzeichen von Korrosion: Verfärbungen, Rauigkeit, weiße oder grünliche Ablagerungen, Lochfraß. Je früher Sie ein Problem erkennen, desto einfacher ist die Lösung. Unsere Jahrescheckliste für die Dachinstandhaltung hilft Ihnen dabei.

Tipp 7: Im Zweifel fragen
Wenn Sie unsicher sind, ob zwei Materialien zusammenpassen – fragen Sie. Lieber einmal zu viel gefragt als einmal zu wenig. Wir beraten Sie gerne und kostenlos. Eine kurze Anfrage kann Ihnen Tausende Euro an Folgeschäden ersparen.

10. Wann Sie lieber nachfragen sollten

Es gibt Situationen, in denen eine individuelle Beratung nicht nur sinnvoll, sondern dringend empfohlen ist. Hier eine Übersicht der häufigsten Fälle, bei denen Sie uns kontaktieren sollten:

  • Sie haben ein bestehendes Kupferdach oder eine Kupferdachrinne und möchten eine neue Dacheindeckung aus Stahl oder Aluminium.
  • Sie planen eine Photovoltaikanlage auf einem Kupferdach oder in der Nähe von Kupferbauteilen.
  • Sie möchten verschiedene Metalle kombinieren und sind sich nicht sicher, ob die Kombination verträglich ist.
  • Sie planen eine Dachsanierung und wissen nicht, welche Materialien bereits verbaut sind.
  • Sie haben Korrosionsspuren an Ihrem Dach entdeckt und möchten die Ursache klären.
  • Sie bauen in einer küstennahen Region (Salzluft verstärkt Korrosionsprozesse erheblich).
  • Sie verwenden Holz mit hohem Säuregehalt (Eiche, Lärche, Douglasie) in Kombination mit Metallbauteilen.

Kostenlose Beratung

Sie sind unsicher, ob Ihre geplante Materialkombination funktioniert? Schreiben Sie uns eine kurze Nachricht mit Ihrem Vorhaben – wir prüfen das für Sie und geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung. Kostenlos und unverbindlich. Denn ein vermiedener Korrosionsschaden ist der beste Korrosionsschaden.

Fazit: Materialtreue ist kein Luxus, sondern Pflicht

Kontaktkorrosion am Dach ist ein Problem, das sich zu 100 % vermeiden lässt – wenn man es kennt. Die Grundregel ist denkbar einfach: Gleiche Metalle zusammen, verschiedene Metalle getrennt. Kupfer bleibt bei Kupfer, Zink bei Zink, Aluminium bei Aluminium.

Wenn Sie verschiedene Metalle kombinieren müssen (was bei PV-Montage fast unvermeidlich ist), sorgen Sie für eine saubere Trennung durch EPDM-Dichtungen oder Kunststoff-Isolatoren. Achten Sie auf die Fließrichtung des Wassers. Und verwenden Sie immer geprüfte, aufeinander abgestimmte Systeme.

Und wenn Sie sich nicht sicher sind: Fragen Sie. Das kostet nichts und kann Ihnen eine Menge Ärger ersparen. Wir bei dachbleche-online.de sehen regelmäßig Dächer, bei denen eine falsche Materialkombination zu Schäden geführt hat, die teurer waren als die gesamte ursprüngliche Dacheindeckung. Das muss nicht sein.

Ihr Dach soll Jahrzehnte halten – und mit der richtigen Materialwahl wird es das auch.

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